Kälte. Es klingt nach Ironie, dass Sri Nugroho Fachmann für etwas ist, das einige Menschen im Ausland mit Deutschland verbinden. Nugroho arbeitet an der Entwicklung von Kühlaggregaten. Sorgt für die richtige Temperatur von Laborproben, aber auch dafür, dass Eis in der Eisdiele nicht schmilzt. Als Ingenieur für Kälte- und Klimatechnik gehört er zu jener Gruppe internationaler Fachkräfte, die für den deutschen Arbeitsmarkt besonders attraktiv sind. Von Fachkräftebedarf ist dort die Rede, gar von Fachkräftemangel. Bis 2025, schätzt die Bundesagentur für Arbeit, werden aufgrund des demografischen Wandels rund sechs Millionen Arbeitskräfte weniger zur Verfügung stehen. Eine Wachstums- und Innovationsbremse, die schon heute einen deutlichen Wertschöpfungsverlust für die deutsche Volkswirtschaft verursacht. Obwohl der Trend auf dem deutschen
Arbeitsmarkt positiv bewertet wird und die Zahl der Erwerbstätigen mit über 41 Millionen so hoch wie nie ist, fehlen in einigen Branchen
und Regionen qualifizierte Fachkräfte. Vor allem in den sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) wird dieser Mangel am deutlichsten.
In das oberfränkische Hof ist Sri Nugroho mit seiner Familie gezogen. Er lebt zwar bereits seit 20 Jahren in Deutschland, aber so gut wie momentan lief es noch nie: „Ich konnte mir meinen Job aus mehreren Angeboten wählen“, erzählt der Vater von drei Söhnen. Nach langem Hin und Her haben er und seine Frau sich vor einigen Jahren für Deutschland als neue Heimat entschieden. Sie haben ein Haus gekauft und Freunde gefunden. Nugrohos Philosophie lautet: „Der beste Mensch ist der, der für andere nützlich ist.“ Deshalb – und um Kontakt zu seinem Herkunftsland zu halten – hat er einen Verein gegründet, der seine Landsleute über den beruflichen Wechsel nach Deutschland informiert. Solche privaten Initiativen sind natürlich die Ausnahmen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie die Bundesagentur für Arbeit haben darum die „Fachkräfte-Offensive“ ins Leben gerufen. Neben der Nutzung aller inländischen Potenziale sollen auch internationale High Potentials für den deutschen Arbeitsmarkt gewonnen werden. Hierfür hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie das Willkommensportal www.make-it-in-germany.com gestartet. Das Portal soll helfen, weltweit die Botschaft einer offenen Willkommenskultur zu vermitteln und Deutschland als attraktives Land bekannt zu machen.
Auf dem mehrsprachigen Willkommensportal lernt man Marie Campos aus den USA kennen. Als Biochemikerin gehört sie ebenfalls zur begehrten MINT-Branche. „Nach meinem Studium an der California State University hatte ich eigentlich einen guten Job“, berichtet die 40-Jährige. Eine Annonce in einer Zeitung machte sie aber neugierig, dort wurde für einen Arbeitsaufenthalt in Deutschland geworben. Sie bewarb sich bei dem Austauschprogramm und bekam eine Stelle. Sie unterschrieb zunächst für ein Jahr, mittlerweile sind über zehn Jahre als Produktmanagerin für Chromatografiesysteme vergangen. Campos ist begeistert von der Qualität der Technologieprodukte, schätzt aber auch die Work-Life-Balance im deutschen Alltag. Sie sei am Ziel einer Reise angekommen, die mit einem Deutschkurs begonnen habe.
Auch Tung Nguyen Hoang hat sein Interesse an Deutschland früh entdeckt. „Alles hat mit einem vierwöchigen Schüleraustausch angefangen“, erzählt der 28-jährige Vietnamese. Seinen Bachelor in Maschinenbau legte er in Vietnam ab. Ein Austauschprogramm mit der Partnerstadt Hannover führte ihn schließlich wieder nach Deutschland, wo er den Mastertitel in Maschinenbau erwarb. Ausgerechnet im Krisenjahr 2009 startete er ins deutsche Berufsleben und fand einen Arbeitsplatz als Softwareentwickler. Ohne Abschluss an einer deutschen Hochschule nur schwer denkbar. Und den können leider nicht alle internationalen Fachkräfte vorweisen. Die Bundesregierung hat deshalb die Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen vereinfacht. Im April 2012 trat das Anerkennungsgesetz in Kraft. Nun besteht Rechtsanspruch auf ein transparenteres Verfahren zur Überprüfung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsqualifikationen unabhängig vom Herkunftsland. Vielen soll das ähnliche Chancen eröffnen wie Tung Nguyen Hoang, der trotz des guten Jobs vielleicht nicht für immer in Deutschland leben möchte. Er ist sich sicher, dass ihm seine beruflichen und persönlichen Erfahrungen in seinem Herkunftsland viele Möglichkeiten eröffnen werden – und auch seinem Land bei der Weiterentwicklung helfen können.
Gar nicht mehr so sicher ist sich die junge Bauingenieurin Esperanza Costa-Guillot, wenn es um ihr Herkunftsland geht. Viel ist dieser Tage von der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien zu hören. „Lange galt das Baugewerbe in Spanien als krisenfest, doch jetzt sehe ich kaum noch Perspektiven für mich“, sagt Costa-Guillot. Nach einem ersten Deutschlandaufenthalt zum Jobben im Jahr 2011 trat sie im März 2012 eine Stelle bei einem Werkzeughersteller im Taunus an. Der Kontakt kam über den Head of Market Services International Peter Postinett zustande. Er lehrt auch an der Universität von Valencia: „Obwohl wir ein renommiertes Unternehmen mit exzellentem Ruf sind, suchen wir oft lange, um Vakanzen bestimmter Profile zu besetzen. Wir haben uns deshalb entschlossen, auch ausländische Arbeitnehmermärkte, zurzeit vor allem Spanien, in unsere Suche mit einzubeziehen.“ Um Mitarbeitern wie Costa-Guillot den Arbeitseinstieg zu erleichtern, bietet das Unternehmen Sprachkurse an oder hilft bei der Wohnungssuche. Ein Zustand, den die Bundesregierung prinzipiell verbessern möchte. Um internationale Fachkräfte für Deutschland zu motivieren, hat sie die Zuwanderung erleichtert. Die „Blaue Karte EU“ ist seit dem 1. August 2012 in Kraft. Für ausländische Fachkräfte wurde ein Aufenthaltstitel zur Arbeitsplatzsuche für bis zu sechs Monate eingeführt. Die „Blue Card“ erleichtert Akademikerinnen und Akademikern aus Nicht-EU-Staaten den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Voraussetzung sind ein Arbeitsvertrag und ein Mindestjahresgehalt von rund 45 000 Euro. In Berufen, in denen bereits ein Fachkräfteengpass herrscht, wie zum Beispiel bei Ärzten und Ingenieuren, beträgt die Gehaltsschwelle knapp 35000 Euro. Bei entsprechenden Deutschkenntnissen erhalten Inhaber der Blauen Karte bereits nach 21 Monaten eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis. Erleichterungen ergeben sich auch für Familienangehörige, die hier arbeiten wollen. Das ist das Stichwort für Esperanza. Auch ihr Freund wolle so bald wie möglich nach Deutschland kommen, erzählt Costa-Guillot.
Ihr Vorname Esperanza heißt auf Spanisch „Hoffnung“. Und die gibt die junge Ingenieurin nicht auf. Mit Zuversicht und Mut ist sie in ihren neuen Lebensabschnitt in Deutschland gestartet, und eigentlich fehlt ihr nur eins – vor allem im Winter: die spanische Sonne.
In das oberfränkische Hof ist Sri Nugroho mit seiner Familie gezogen. Er lebt zwar bereits seit 20 Jahren in Deutschland, aber so gut wie momentan lief es noch nie: „Ich konnte mir meinen Job aus mehreren Angeboten wählen“, erzählt der Vater von drei Söhnen. Nach langem Hin und Her haben er und seine Frau sich vor einigen Jahren für Deutschland als neue Heimat entschieden. Sie haben ein Haus gekauft und Freunde gefunden. Nugrohos Philosophie lautet: „Der beste Mensch ist der, der für andere nützlich ist.“ Deshalb – und um Kontakt zu seinem Herkunftsland zu halten – hat er einen Verein gegründet, der seine Landsleute über den beruflichen Wechsel nach Deutschland informiert. Solche privaten Initiativen sind natürlich die Ausnahmen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie die Bundesagentur für Arbeit haben darum die „Fachkräfte-Offensive“ ins Leben gerufen. Neben der Nutzung aller inländischen Potenziale sollen auch internationale High Potentials für den deutschen Arbeitsmarkt gewonnen werden. Hierfür hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie das Willkommensportal www.make-it-in-germany.com gestartet. Das Portal soll helfen, weltweit die Botschaft einer offenen Willkommenskultur zu vermitteln und Deutschland als attraktives Land bekannt zu machen.
Auf dem mehrsprachigen Willkommensportal lernt man Marie Campos aus den USA kennen. Als Biochemikerin gehört sie ebenfalls zur begehrten MINT-Branche. „Nach meinem Studium an der California State University hatte ich eigentlich einen guten Job“, berichtet die 40-Jährige. Eine Annonce in einer Zeitung machte sie aber neugierig, dort wurde für einen Arbeitsaufenthalt in Deutschland geworben. Sie bewarb sich bei dem Austauschprogramm und bekam eine Stelle. Sie unterschrieb zunächst für ein Jahr, mittlerweile sind über zehn Jahre als Produktmanagerin für Chromatografiesysteme vergangen. Campos ist begeistert von der Qualität der Technologieprodukte, schätzt aber auch die Work-Life-Balance im deutschen Alltag. Sie sei am Ziel einer Reise angekommen, die mit einem Deutschkurs begonnen habe.
Auch Tung Nguyen Hoang hat sein Interesse an Deutschland früh entdeckt. „Alles hat mit einem vierwöchigen Schüleraustausch angefangen“, erzählt der 28-jährige Vietnamese. Seinen Bachelor in Maschinenbau legte er in Vietnam ab. Ein Austauschprogramm mit der Partnerstadt Hannover führte ihn schließlich wieder nach Deutschland, wo er den Mastertitel in Maschinenbau erwarb. Ausgerechnet im Krisenjahr 2009 startete er ins deutsche Berufsleben und fand einen Arbeitsplatz als Softwareentwickler. Ohne Abschluss an einer deutschen Hochschule nur schwer denkbar. Und den können leider nicht alle internationalen Fachkräfte vorweisen. Die Bundesregierung hat deshalb die Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen vereinfacht. Im April 2012 trat das Anerkennungsgesetz in Kraft. Nun besteht Rechtsanspruch auf ein transparenteres Verfahren zur Überprüfung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsqualifikationen unabhängig vom Herkunftsland. Vielen soll das ähnliche Chancen eröffnen wie Tung Nguyen Hoang, der trotz des guten Jobs vielleicht nicht für immer in Deutschland leben möchte. Er ist sich sicher, dass ihm seine beruflichen und persönlichen Erfahrungen in seinem Herkunftsland viele Möglichkeiten eröffnen werden – und auch seinem Land bei der Weiterentwicklung helfen können.
Gar nicht mehr so sicher ist sich die junge Bauingenieurin Esperanza Costa-Guillot, wenn es um ihr Herkunftsland geht. Viel ist dieser Tage von der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien zu hören. „Lange galt das Baugewerbe in Spanien als krisenfest, doch jetzt sehe ich kaum noch Perspektiven für mich“, sagt Costa-Guillot. Nach einem ersten Deutschlandaufenthalt zum Jobben im Jahr 2011 trat sie im März 2012 eine Stelle bei einem Werkzeughersteller im Taunus an. Der Kontakt kam über den Head of Market Services International Peter Postinett zustande. Er lehrt auch an der Universität von Valencia: „Obwohl wir ein renommiertes Unternehmen mit exzellentem Ruf sind, suchen wir oft lange, um Vakanzen bestimmter Profile zu besetzen. Wir haben uns deshalb entschlossen, auch ausländische Arbeitnehmermärkte, zurzeit vor allem Spanien, in unsere Suche mit einzubeziehen.“ Um Mitarbeitern wie Costa-Guillot den Arbeitseinstieg zu erleichtern, bietet das Unternehmen Sprachkurse an oder hilft bei der Wohnungssuche. Ein Zustand, den die Bundesregierung prinzipiell verbessern möchte. Um internationale Fachkräfte für Deutschland zu motivieren, hat sie die Zuwanderung erleichtert. Die „Blaue Karte EU“ ist seit dem 1. August 2012 in Kraft. Für ausländische Fachkräfte wurde ein Aufenthaltstitel zur Arbeitsplatzsuche für bis zu sechs Monate eingeführt. Die „Blue Card“ erleichtert Akademikerinnen und Akademikern aus Nicht-EU-Staaten den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Voraussetzung sind ein Arbeitsvertrag und ein Mindestjahresgehalt von rund 45 000 Euro. In Berufen, in denen bereits ein Fachkräfteengpass herrscht, wie zum Beispiel bei Ärzten und Ingenieuren, beträgt die Gehaltsschwelle knapp 35000 Euro. Bei entsprechenden Deutschkenntnissen erhalten Inhaber der Blauen Karte bereits nach 21 Monaten eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis. Erleichterungen ergeben sich auch für Familienangehörige, die hier arbeiten wollen. Das ist das Stichwort für Esperanza. Auch ihr Freund wolle so bald wie möglich nach Deutschland kommen, erzählt Costa-Guillot.
Ihr Vorname Esperanza heißt auf Spanisch „Hoffnung“. Und die gibt die junge Ingenieurin nicht auf. Mit Zuversicht und Mut ist sie in ihren neuen Lebensabschnitt in Deutschland gestartet, und eigentlich fehlt ihr nur eins – vor allem im Winter: die spanische Sonne.

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