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Montag, 5. November 2012

Fire 775 Geburtstag


Wer an die deutsche Hauptstadt denkt, dem kommt wohl eher die Berliner Mauer als ein mittelalterlicher Stadtwall in den Sinn. Doch Berlins 775. Geburtstag führt zurück ins tiefste Mittelalter, zu der ersten urkundlichen Erwähnung seiner Schwesterstadt Cölln am 28. Oktober 1237. Aus dieser Zeit stammen einige spektakuläre Ausgrabungen in der historischen Mitte, die etwa beim U-Bahn-Bau vor dem Roten Rathaus gemacht wurden. Solche Entdeckungen zeigt die Hauptstadt mit ihrem Geburtstagsprojekt „Spuren des Mittelalters“. Ausstellungen und Führungen verbinden seit August 2012 unter anderem die Grabungen Petriplatz und Großer Jüdenhof, aber auch bekannte Gebäude wie die Marienkirche als bedeutsame Mittelalter-Zeugnisse miteinander.

Darüber hinaus betrachtet Berlin seine Stadtgeschichte als Zuwanderungsgeschichte: Aus den ersten rund 2000 Siedlern des Jahres 1237 wurden über die Jahrhunderte hinweg bis heute 3,5 Millionen Hauptstadtbewohner in der „Stadt der Vielfalt“. Hugenotten, Böhmen, polnische Wanderarbeiter, Juden aus Osteuropa, Gastarbeiter aus Südeuropa, Kriegsflüchtlinge und seit dem Mauerfall eine globalisierte junge Elite zog und zieht es nach Berlin. Auf dem Schlossplatz ist ein riesiger begehbarer Stadtplan im Maßstab 1:775, der die Berliner Migrationsgeschichte erfahrbar macht.

Bisher hat Berlin erst dreimal Geburtstag gefeiert. Das Jubiläum ist deshalb im Kontext der 750-Jahr-Feier 1987 im geteilten Berlin und der 700-Jahr-Feier 1937, mitten im Nationalsozialismus, zu betrachten. Sämtliche Veranstaltungen der 775-Jahrfeier gipfeln im Jubiläumsfest am 28. Oktober 2012. Nach dem Festgottesdienst in der Marienkirche mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit werden geladene Gäste zum offiziellen Festakt in die Nikolaikirche gebeten. Bei Einbruch der Dunkelheit setzen französische Feuerpoeten der Gruppe „Carabosse“ dann die historische Mitte buchstäblich in Brand: Feuerspeiende Skulpturen, brennende Girlanden und zahllose flackernde Tontöpfe illuminieren das Areal zwischen Schlossplatz und Nikolaiviertel. Dazu zeigen die Straßenartisten von Titanick eine eigentümliche Wunderwelt aus den Jenseitsvisionen Hieronymus Boschs oder Dantes. Am gesamten Festwochenende laden die Händler des Nikolaiviertels zu einem mittelalterlichen Markt ein.

www.berlin.de/775

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