Staatssekretär Rainer Bomba vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung kommt gerne nach Bogotá. Ende März 2012 nahm er bei einem von der deutsch-kolumbianischen Handelskammer organisierten Forum über die Lösung von Transportproblemen teil und schon ein halbes Jahr zuvor war er bei einer ähnlichen Veranstaltung in der Stadt. Bogotá gilt, was Stadtentwicklung angeht, weltweit als ein Beispiel. Deutsche Entwicklungszusammenarbeit bei der Lösung urbaner Probleme ist hier genau so, wie sie sein soll: eine Zusammenarbeit gleichberechtigter Partner.
Dabei ist die Acht-Millionen-Metropole eine der am schnellsten wachsenden Städte des Kontinents und Kolumbien ein Land, das seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten leidet. Diese Kombination führt in der Regel zu Verkehrchaos, Slums und Gewalt. Es ist noch keine 20 Jahre her, da war Bogotá genau dafür bekannt. Heute aber kann man im Zentrum in Fußgängerzonen an Geschäften vorbeiflanieren, sich gefahrlos in ein Straßencafé setzen und sogar mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Keine andere Großstadt Lateinamerikas hat ein so dichtes Radwegenetz.
Einer derjenigen, die das zu verantworten haben, ist Antanas Mockus, Bürgermeister von Bogotá in den Jahren 1995 bis 1997 und 2000 bis 2003. Der heute 60-Jährige gilt als extravagant, weil er spektakuläre Aktionen liebt. So hat er Clowns auf die Straße geschickt, um undisziplinierten Autofahrern auf nette Art nahe zu bringen, dass man Fußgänger zu respektieren hat. Er selbst hat sich bei dieser Kampagne in ein Superman-Kostüm gezwängt. „Natürlich riskiert man, nicht ernst genommen zu werden“, sagt er. „Aber man wird verstanden.“
Mockus und der zwischen seinen beiden Amtszeiten regierende Bürgermeister Enrique Peñalosa haben mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen aus der aus den Fugen geratenen Stadt ein Gemeinwesen gemacht. Sie haben Parks gebaut und in den Außenvierteln kleine Stadtteilzentren gebaut, damit die Menschen zusammenkommen können. Und sie haben ein Transportsystem geschaffen, das diese Stadtteile verbindet.
Das Transmilenio genannte System ist sehr viel billiger als eine U-Bahn und doch genauso effektiv: Große rote Busse mit Platz für bis zu 150 Passagiere mit eigenen überdachten Haltestellen und eigenen Fahrspuren. Sie verkehren im Takt von wenigen Minuten – vorbei an allen Staus. Elf Linien gibt es, dazu Zubringerdienste mit kleineren Bussen auf nahezu 90 Routen. InWEnt, die in der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) aufgegangene Agentur für Internationale Weiterbildung und Entwicklung, hat Transmilenio von Anfang an begleitet und schon im Jahr 2000, als der erste Bus auf die Straße ging, das Projekt in anderen Ländern vorgestellt. Mit Erfolg: Ähnliche Busnetze gibt es heute in Lima, Quito, Santiago de Chile und Guatemala-Stadt.
Auch in anderer Hinsicht können lateinamerikanische Städte von Bogotá lernen. Die kolumbianische Hauptstadt war eine der ersten Metropolen, die vor dem Zustrom armer Landbevölkerung die Augen nicht verschloss, sondern ihnen Siedlungsfläche mit der nötigen Infrastruktur aus Wegen, Wasser, Abwasser und Strom zur Verfügung stellte. Ohne diese Steuerung wären Slums entstanden wie La Chacra in El Salvadors Hauptstadt San Salvador: Hütten aus Holz, Wellblech und Karton in einer Schlucht, ohne Abwasser und ohne Müllabfuhr.
Immer wieder werden solche Slums einfach platt gewalzt – nur um an anderer Stelle neu zu entstehen. In San Salvador ging die staatsunabhängige Organisation Fundasal mit der finanziellen Hilfe der deutschen KfW-Bank einen anderen Weg: La Chacra wurde saniert. Die Besitzverhältnisse wurden geklärt, über Jahrzehnte gewachsene Müllberge beseitigt, Wasser- und Abwasserleitungen gezogen, Straßen und Wege angelegt, Parks und kleine Gemeindehäuser gebaut. Fundasal stellte Architekten, Baumeister, schweres Gerät und Material, den Rest erledigten die Bewohner eigenständig. In wenigen Jahren wurde der Ort von einem Müllplatz zu einer zwar bescheidenen, aber doch lebenswerten Heimat für fast 2000 Familien. Und das zu einem günstigen Preis: Die Sanierung kostete knapp fünf Millionen Euro.
La Chacra war einst entstanden, weil es auf dem Gelände vier Quellen gibt. Eines der wesentlichen Probleme lateinamerikanischer Großstädte war damit gelöst: Es gab Wasser. Obwohl dies meist ein knappes Gut ist, wird oft verschwenderisch damit umgegangen. Im Leitungssystem der peruanischen Hauptstadt Lima etwa gehen fast 40 Prozent des Wassers verloren. Der Grund ist einfach: Die Leitungen sind auf das Maximum der Nachfrage ausgelegt. Wird weniger verbraucht, etwa in der Nacht, dann steigt der Druck. Das erhöht das Risiko von Rohrbrüchen. Ist schon ein Leck vorhanden, schießt bei hohem Druck sehr viel mehr Wasser ins Erdreich. Ganz lässt sich der Wasserverlust nie vermeiden, aber er muss nicht so drastisch sein. Das zeigt ein Projekt der GIZ in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Wasserversorger von Lima und der Mannheimer VAG-Amaturen GmbH. In zwei Mustersektoren wurden die Leitungssysteme mit Regelungsventilen ausgestattet, die den Wasserdruck bedarfsgerecht regulieren. Das Ergebnis: Der Wasserverlust wurde dauerhaft um elf Prozent reduziert.
Auch Mockus kennt das Problem aus seiner Zeit als Bürgermeister von Bogotá. Er ging den Wassermangel auf seine Art an: Um zu zeigen, wie man Wasser spart, ließ er sich bei einem schnellen Duschbad filmen. Das wollte jeder sehen. Die Erziehungskampagne hatte Erfolg: Der Wasserverbrauch in Bogotá sank um zehn Prozent.
Toni Keppeler
Dabei ist die Acht-Millionen-Metropole eine der am schnellsten wachsenden Städte des Kontinents und Kolumbien ein Land, das seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten leidet. Diese Kombination führt in der Regel zu Verkehrchaos, Slums und Gewalt. Es ist noch keine 20 Jahre her, da war Bogotá genau dafür bekannt. Heute aber kann man im Zentrum in Fußgängerzonen an Geschäften vorbeiflanieren, sich gefahrlos in ein Straßencafé setzen und sogar mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Keine andere Großstadt Lateinamerikas hat ein so dichtes Radwegenetz.
Einer derjenigen, die das zu verantworten haben, ist Antanas Mockus, Bürgermeister von Bogotá in den Jahren 1995 bis 1997 und 2000 bis 2003. Der heute 60-Jährige gilt als extravagant, weil er spektakuläre Aktionen liebt. So hat er Clowns auf die Straße geschickt, um undisziplinierten Autofahrern auf nette Art nahe zu bringen, dass man Fußgänger zu respektieren hat. Er selbst hat sich bei dieser Kampagne in ein Superman-Kostüm gezwängt. „Natürlich riskiert man, nicht ernst genommen zu werden“, sagt er. „Aber man wird verstanden.“
Mockus und der zwischen seinen beiden Amtszeiten regierende Bürgermeister Enrique Peñalosa haben mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen aus der aus den Fugen geratenen Stadt ein Gemeinwesen gemacht. Sie haben Parks gebaut und in den Außenvierteln kleine Stadtteilzentren gebaut, damit die Menschen zusammenkommen können. Und sie haben ein Transportsystem geschaffen, das diese Stadtteile verbindet.
Das Transmilenio genannte System ist sehr viel billiger als eine U-Bahn und doch genauso effektiv: Große rote Busse mit Platz für bis zu 150 Passagiere mit eigenen überdachten Haltestellen und eigenen Fahrspuren. Sie verkehren im Takt von wenigen Minuten – vorbei an allen Staus. Elf Linien gibt es, dazu Zubringerdienste mit kleineren Bussen auf nahezu 90 Routen. InWEnt, die in der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) aufgegangene Agentur für Internationale Weiterbildung und Entwicklung, hat Transmilenio von Anfang an begleitet und schon im Jahr 2000, als der erste Bus auf die Straße ging, das Projekt in anderen Ländern vorgestellt. Mit Erfolg: Ähnliche Busnetze gibt es heute in Lima, Quito, Santiago de Chile und Guatemala-Stadt.
Auch in anderer Hinsicht können lateinamerikanische Städte von Bogotá lernen. Die kolumbianische Hauptstadt war eine der ersten Metropolen, die vor dem Zustrom armer Landbevölkerung die Augen nicht verschloss, sondern ihnen Siedlungsfläche mit der nötigen Infrastruktur aus Wegen, Wasser, Abwasser und Strom zur Verfügung stellte. Ohne diese Steuerung wären Slums entstanden wie La Chacra in El Salvadors Hauptstadt San Salvador: Hütten aus Holz, Wellblech und Karton in einer Schlucht, ohne Abwasser und ohne Müllabfuhr.
Immer wieder werden solche Slums einfach platt gewalzt – nur um an anderer Stelle neu zu entstehen. In San Salvador ging die staatsunabhängige Organisation Fundasal mit der finanziellen Hilfe der deutschen KfW-Bank einen anderen Weg: La Chacra wurde saniert. Die Besitzverhältnisse wurden geklärt, über Jahrzehnte gewachsene Müllberge beseitigt, Wasser- und Abwasserleitungen gezogen, Straßen und Wege angelegt, Parks und kleine Gemeindehäuser gebaut. Fundasal stellte Architekten, Baumeister, schweres Gerät und Material, den Rest erledigten die Bewohner eigenständig. In wenigen Jahren wurde der Ort von einem Müllplatz zu einer zwar bescheidenen, aber doch lebenswerten Heimat für fast 2000 Familien. Und das zu einem günstigen Preis: Die Sanierung kostete knapp fünf Millionen Euro.
La Chacra war einst entstanden, weil es auf dem Gelände vier Quellen gibt. Eines der wesentlichen Probleme lateinamerikanischer Großstädte war damit gelöst: Es gab Wasser. Obwohl dies meist ein knappes Gut ist, wird oft verschwenderisch damit umgegangen. Im Leitungssystem der peruanischen Hauptstadt Lima etwa gehen fast 40 Prozent des Wassers verloren. Der Grund ist einfach: Die Leitungen sind auf das Maximum der Nachfrage ausgelegt. Wird weniger verbraucht, etwa in der Nacht, dann steigt der Druck. Das erhöht das Risiko von Rohrbrüchen. Ist schon ein Leck vorhanden, schießt bei hohem Druck sehr viel mehr Wasser ins Erdreich. Ganz lässt sich der Wasserverlust nie vermeiden, aber er muss nicht so drastisch sein. Das zeigt ein Projekt der GIZ in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Wasserversorger von Lima und der Mannheimer VAG-Amaturen GmbH. In zwei Mustersektoren wurden die Leitungssysteme mit Regelungsventilen ausgestattet, die den Wasserdruck bedarfsgerecht regulieren. Das Ergebnis: Der Wasserverlust wurde dauerhaft um elf Prozent reduziert.
Auch Mockus kennt das Problem aus seiner Zeit als Bürgermeister von Bogotá. Er ging den Wassermangel auf seine Art an: Um zu zeigen, wie man Wasser spart, ließ er sich bei einem schnellen Duschbad filmen. Das wollte jeder sehen. Die Erziehungskampagne hatte Erfolg: Der Wasserverbrauch in Bogotá sank um zehn Prozent.
Toni Keppeler

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