In Deutschland ist Religionsfreiheit ein hohes Gut. Sie ist im Grundgesetz verankert. Und sie hat im Land der Dichter und Denker Tradition: Berühmt geworden ist die „Ringparabel“ aus dem Drama „Nathan der Weise“ des Dichters Gotthold Ephraim Lessing, entstanden am Ende des 18. Jahrhunderts zur Zeit der Aufklärung. In dem Theaterstück lässt der über Jerusalem herrschende Sultan Saladin einen weisen Juden zu sich rufen. Der soll ihm erklären, welche der drei monotheistischen Religionen die wahre sei. Nathan ersinnt eine Geschichte: Ein Vater will seinen goldenen Ring vererben. Da er aber drei Söhne hat und alle gleich liebt, lässt er von dem Ring zwei Duplikate fertigen. Er vererbt jedem Sohn einen Ring. Nach dem Tod des Vaters streiten sie, wer wohl den echten bekommen hat. Der Richter erinnert die Söhne an die Eigenschaft des Rings: Er macht den Träger bei Gott und den Menschen beliebt. Wem von ihnen das gelinge, der trage den echten Ring.
Die Idee der religiösen Toleranz, die in dem Gleichnis enthalten ist, ist bis heute aktuell. In vielen deutschen Schulen wird das Theaterstück gelesen und dient den Jugendlichen zu erkennen, dass keine Religion sich über die andere erheben sollte. Heute ist die Aufforderung zu religiöser Toleranz aktueller denn je. Denn die religiöse Vielfalt in Deutschland wächst, nicht zuletzt durch die Einwanderung von Muslimen. Sie stellen mit etwa vier Millionen Gläubigen bereits etwa fünf Prozent der Bevölkerung und sind nach den Protestanten (ca. 27 Millionen) und Katholiken (ca. 26 Millionen) mittlerweile die drittgrößte Religionsgemeinschaft. Zwei Drittel der Muslime in Deutschland (etwa 2,7 Millionen) hat türkische Wurzeln. Sie oder ihre Vorfahren kamen infolge der Gastarbeiteranwerbung zwischen 1961 und 1973. Etwa 600.000 Muslime stammen aus Südosteuropa, 300.000 aus dem Nahen Osten, 280.000 aus Nordafrika. 55 Prozent der Muslime in Deutschland haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Dies setzt jedoch voraus, die alte Nationalität abzulegen. Mittlerweile konvertieren sogar einzelne deutsche Christen oder Konfessionslose zum Islam – ihre genaue Zahl ist nicht bekannt.
Das deutsche Grundgesetz sichert in Artikel 4 jedem Einwohner Religionsfreiheit zu. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass Muslime in Deutschland Moscheen selbstverständlich errichten dürfen – mehr als 2000 gibt es bereits. Das Grundgesetz bestimmt auch, dass niemand wegen seiner Religion oder seiner Herkunft benachteiligt werden darf. Auch muss jeder gleichermaßen Zugang zu öffentlichen Ämtern – wie Lehrer, Polizist oder Finanzbeamter – haben. Seit etwa 20 Jahren gibt es muslimische Bundestagsabgeordnete. In dieser Legislaturperiode, die noch bis September 2013 dauert, sind es drei: Zwei türkischstämmige (Ekin Deligöz bei den Grünen und Serkan Tören bei der FDP) sowie einer mit iranischen Wurzeln (Omid Nouripour, ebenfalls bei den Grünen).
Das Grundgesetz regelt sogar den Religionsunterricht an Schulen: Er ist in Deutschland ein ordentliches Lehrfach – das heißt, dass er in den Schulen stattfindet und dass die Lehrer vom Staat ausgebildet und bezahlt werden. Die Eltern entscheiden selbst, ob ihr Kind teilnehmen soll; die Religionsgemeinschaften legen die Inhalte fest. Seit Mitte 2012 gibt es in Nordrhein-Westfalen als erstem der 16 Bundesländer auch islamischen Religionsunterricht, der den muslimischen Kindern ihren Glauben nahebringen soll – so, wie es Religionsunterricht auch für katholische, evangelische, jüdische oder orthodoxe Kinder gibt. Die meisten anderen Bundesländer planen Ähnliches. 20 Jahre lang hatte es vorher „Islamkunde“ gegeben, die Wissen über den Glauben vermittelte. Sie war ursprünglich Teil des Arabisch- oder Türkischunterrichts, der an vielen Schulen erteilt wird, damit Kinder von Einwanderern ihre Muttersprache nicht nur sprechen, sondern auch lesen und schreiben lernen.
Auch an den Universitäten ist der Islam präsent: In den Jahren 2011 und 2012 haben vier Zentren für Islamische Studien ihre Arbeit aufgenommen: in Erlangen-Nürnberg, in Münster-Osnabrück, in Tübingen sowie in Frankfurt/Gießen. Mit 20 Millionen Euro bezuschusst Deutschland diese Lehrstühle in den nächsten fünf Jahren. Dort kann man nun islamische Theologie und Religionspädagogik studieren, um Lehrer oder Imam zu werden. Dafür wurden auch arabische Wissenschaftler engagiert: So lehrt in Tübingen der 47 Jahre alte palästinensische Koranwissenschaftler Omar Hamdan, ein Sunnit. Bundesbildungsministerin Annette Schavan, die katholische Theologin ist, hat sich stark für die Errichtung der Islamischen Zentren eingesetzt. Das gleiche gilt für Finanzminister Wolfgang Schäuble, einen bekennenden Protestanten.
Als Schäuble noch Innenminister war, gründete er die „Deutsche Islamkonferenz“. Erstmals lud er im Jahr 2006 ranghohe Vertreter des deutschen Staates zusammen mit Repräsentanten der muslimischen Religionsgemeinschaften ins Berliner Schloss Charlottenburg. Seither treffen sich die Mitglieder regelmäßig in Arbeitsgruppen und Plenarsitzungen. Ziel dieses Dialogs ist es, zum einen die Lebensbedingungen für Muslime in Deutschland weiter zu verbessern, zugleich aber auch die Entstehung extremistischer Strömungen, die zu Terrorismus führen könnten, zu verhindern. Zur Eröffnung der Islamkonferenz sagte Schäuble den seither vielzitierten Satz: „Der Islam ist Teil Deutschlands und Teil Europas, er ist Teil unserer Gegenwart und er ist Teil unserer Zukunft. Muslime sind in Deutschland willkommen.“
www.deutsche-islam-konferenz.de
Uta Rasche
Die Idee der religiösen Toleranz, die in dem Gleichnis enthalten ist, ist bis heute aktuell. In vielen deutschen Schulen wird das Theaterstück gelesen und dient den Jugendlichen zu erkennen, dass keine Religion sich über die andere erheben sollte. Heute ist die Aufforderung zu religiöser Toleranz aktueller denn je. Denn die religiöse Vielfalt in Deutschland wächst, nicht zuletzt durch die Einwanderung von Muslimen. Sie stellen mit etwa vier Millionen Gläubigen bereits etwa fünf Prozent der Bevölkerung und sind nach den Protestanten (ca. 27 Millionen) und Katholiken (ca. 26 Millionen) mittlerweile die drittgrößte Religionsgemeinschaft. Zwei Drittel der Muslime in Deutschland (etwa 2,7 Millionen) hat türkische Wurzeln. Sie oder ihre Vorfahren kamen infolge der Gastarbeiteranwerbung zwischen 1961 und 1973. Etwa 600.000 Muslime stammen aus Südosteuropa, 300.000 aus dem Nahen Osten, 280.000 aus Nordafrika. 55 Prozent der Muslime in Deutschland haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Dies setzt jedoch voraus, die alte Nationalität abzulegen. Mittlerweile konvertieren sogar einzelne deutsche Christen oder Konfessionslose zum Islam – ihre genaue Zahl ist nicht bekannt.
Das deutsche Grundgesetz sichert in Artikel 4 jedem Einwohner Religionsfreiheit zu. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass Muslime in Deutschland Moscheen selbstverständlich errichten dürfen – mehr als 2000 gibt es bereits. Das Grundgesetz bestimmt auch, dass niemand wegen seiner Religion oder seiner Herkunft benachteiligt werden darf. Auch muss jeder gleichermaßen Zugang zu öffentlichen Ämtern – wie Lehrer, Polizist oder Finanzbeamter – haben. Seit etwa 20 Jahren gibt es muslimische Bundestagsabgeordnete. In dieser Legislaturperiode, die noch bis September 2013 dauert, sind es drei: Zwei türkischstämmige (Ekin Deligöz bei den Grünen und Serkan Tören bei der FDP) sowie einer mit iranischen Wurzeln (Omid Nouripour, ebenfalls bei den Grünen).
Das Grundgesetz regelt sogar den Religionsunterricht an Schulen: Er ist in Deutschland ein ordentliches Lehrfach – das heißt, dass er in den Schulen stattfindet und dass die Lehrer vom Staat ausgebildet und bezahlt werden. Die Eltern entscheiden selbst, ob ihr Kind teilnehmen soll; die Religionsgemeinschaften legen die Inhalte fest. Seit Mitte 2012 gibt es in Nordrhein-Westfalen als erstem der 16 Bundesländer auch islamischen Religionsunterricht, der den muslimischen Kindern ihren Glauben nahebringen soll – so, wie es Religionsunterricht auch für katholische, evangelische, jüdische oder orthodoxe Kinder gibt. Die meisten anderen Bundesländer planen Ähnliches. 20 Jahre lang hatte es vorher „Islamkunde“ gegeben, die Wissen über den Glauben vermittelte. Sie war ursprünglich Teil des Arabisch- oder Türkischunterrichts, der an vielen Schulen erteilt wird, damit Kinder von Einwanderern ihre Muttersprache nicht nur sprechen, sondern auch lesen und schreiben lernen.
Auch an den Universitäten ist der Islam präsent: In den Jahren 2011 und 2012 haben vier Zentren für Islamische Studien ihre Arbeit aufgenommen: in Erlangen-Nürnberg, in Münster-Osnabrück, in Tübingen sowie in Frankfurt/Gießen. Mit 20 Millionen Euro bezuschusst Deutschland diese Lehrstühle in den nächsten fünf Jahren. Dort kann man nun islamische Theologie und Religionspädagogik studieren, um Lehrer oder Imam zu werden. Dafür wurden auch arabische Wissenschaftler engagiert: So lehrt in Tübingen der 47 Jahre alte palästinensische Koranwissenschaftler Omar Hamdan, ein Sunnit. Bundesbildungsministerin Annette Schavan, die katholische Theologin ist, hat sich stark für die Errichtung der Islamischen Zentren eingesetzt. Das gleiche gilt für Finanzminister Wolfgang Schäuble, einen bekennenden Protestanten.
Als Schäuble noch Innenminister war, gründete er die „Deutsche Islamkonferenz“. Erstmals lud er im Jahr 2006 ranghohe Vertreter des deutschen Staates zusammen mit Repräsentanten der muslimischen Religionsgemeinschaften ins Berliner Schloss Charlottenburg. Seither treffen sich die Mitglieder regelmäßig in Arbeitsgruppen und Plenarsitzungen. Ziel dieses Dialogs ist es, zum einen die Lebensbedingungen für Muslime in Deutschland weiter zu verbessern, zugleich aber auch die Entstehung extremistischer Strömungen, die zu Terrorismus führen könnten, zu verhindern. Zur Eröffnung der Islamkonferenz sagte Schäuble den seither vielzitierten Satz: „Der Islam ist Teil Deutschlands und Teil Europas, er ist Teil unserer Gegenwart und er ist Teil unserer Zukunft. Muslime sind in Deutschland willkommen.“
www.deutsche-islam-konferenz.de
Uta Rasche

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