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Samstag, 8. Dezember 2012

Dies sollte nicht in Ausnahmefällen Urteil passieren


Dortmunds Spieler bekamen nach der Pleite gegen Wolfsburg einen Maulkorb - zu groß war die Angst vor folgenschweren Aussagen. Denn Schiedsrichter Wolfgang Stark hatte die Niederlage mit einer krassen Fehlentscheidung eingeleitet. "Das ist brutal hart", sagte Trainer Jürgen Klopp.

Hamburg - Jürgen Klopp haderte, er schimpfte wild gestikulierend vor sich hin. Dann, der Verzweiflung nah, sank Dortmunds Trainer vor dem vierten Offiziellen Sascha Stegemann auf die Knie. Klopp hatte sich im Spiel gegen Wolfsburg mehrfach massiv über die Leistung von Schiedsrichter Wolfgang Stark aufgeregt. Beim BVB-Coach nichts Neues, er regt sich oft - zu Unrecht - über die Unparteiischen auf. Bei der 2:3 (1:2)-Heimniederlage gegen den VfL aber lag Klopp richtig, seine Mannschaft wurde von Stark entscheidend benachteiligt.
"Das Ergebnis, auch wie es zustande gekommen ist, ist brutal hart für uns", sagte Klopp nach der Partie. Brutal ist für den BVB auch der Blick auf die Tabelle. Nach der dritten Saisonniederlage liegt der Club schon 14 Punkte hinter Spitzenreiter FC Bayern. Klopp war der einzige Dortmunder, der sich äußerte. Aus Angst vor allzu emotionalen Kommentaren verbot er seinen Profis nach dem Schlusspfiff, sich zu äußern.
Den BVB empörte vor allem die Szene aus der 35. Minute: Wolfsburgs Diego bediente mit einem Lupfer den im Abseits stehenden Vieirinha, der auf Bas Dost zurücklegte. Den Schuss des Niederländers wehrte BVB-Linksverteidiger Marcel Schmelzer ab, erst mit dem einen Oberschenkel, dann mit dem anderen.
Nicht aber mit der Hand, wie es Schiedsrichter Stark gesehen hatte, der Schmelzer die Rote Karte zeigte und Wolfsburg einen Elfmeter zusprach. "Das darf einem Spitzenschiedsrichter nicht passieren", sagte Ex-Schiedsrichter Markus Merk, sonst zumeist ein angestrengter Verteidiger seiner ehemaligen Kollegen. Nach dem Spiel gestand Stark seinen Irrtum ein: "Ein klarer Fehler von mir. Das tut mir natürlich leid", sagte er "LIGA total". So wird Schmelzer wohl ohne Sperre bleiben.
Diego aber nutzte den Elfmeter und glich zum 1:1 aus, der BVB war in fast einer Stunde Unterzahl nicht in der Lage, einen Punkt zu retten. "Mit der Roten Karte war dem Chaos hier Tür und Tor geöffnet! Alle waren hektisch, unruhig", sagte Klopp "LIGA total", "bei elf gegen elf hätte es heute nur einen Sieger gegeben."
 Überragender Diego an allen VfL-Toren beteiligt
Er meinte seine Mannschaft - und lag damit ebenfalls richtig. Denn vor dem Ausgleich hatte der BVB die Partie deutlich bestimmt, er hatte Chancen für drei Tore. Am Ende kam der Gastgeber auf 21:7 Torschüsse. "Wir haben selten so überlegen gespielt wie heute", sagte Klopp.
Am Ende siegte aber dennoch Wolfsburg - vor allem dank Diego. Der brasilianische Spielmacher bot erneut eine Ausnahmeleistung. Er erzielte das erste Tor selbst und bereitete die anderen beiden vor. Seit dem Abgang von Trainermanager Felix Magath macht Diego bei Wolfsburg den Unterschied, in den acht Einsätzen unter Neu-Trainer Lorenz-Günther Köstner sammelte er acht Scorerpunkte. Gegen Dortmund lief Diego mehr als alle Mitspieler, er hatte die meisten Ballkontakte, spielte die meisten Pässe.
Dennoch hätte seine Leistung wohl ohne die Fehlentscheidung von Stark nicht zu einem Sieg gereicht. Zu überzeugend wirkte Dortmund in der Anfangsphase. Zu sehr merkte man im zweiten Durchgang, dass Dortmund durch das lange Spielen in Unterzahl die Kräfte schwanden. "Wir sind nach der Herausstellung besser ins Spiel gekommen", erkannte auch Köstner nach der Partie die Ursache des Wolfsburger Sieges an.
 Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg 2:3 (1:2)
 1:0 Reus (6.)
 1:1 Diego (36., Handelfmeter)
 1:2 Naldo (41.)
 2:2 Blaszczykowski (61., Foulelfmeter)
 2:3 Dost (73.)
 Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Felipe Santana, Hummels, Schmelzer - Leitner (46. Perisic), Gündogan - Blaszczykowski (81. Schieber), Götze, Reus - Lewandowski
 Wolfsburg: Benaglio - Fagner, Naldo, Kjaer, Marcel Schäfer - Polak, Josue (72. Kahlenberg) - Hasebe, Diego, Vieirinha (86. Rodriguez) - Dost
 Schiedsrichter: Stark
 Zuschauer: 80.000
 Rote Karte: Schmelzer nach einem Handspiel auf der Torlinie (35.)
 Gelbe Karten: Reus, Gündogan (3), Götze - Kjaer (2), Josue (6), Kahlenberg (2)

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