Newtown - In vielen US-Bundesstaaten ist es ganz einfach: Amerikanische Bürger können sich problemlos mit Schusswaffen versorgen: Man muss nur in einen Waffenladen gehen und erhält das gewünschte Produkt sofort. Im US-Bundesstaat Connecticut gelten etwas schärfere Regeln: Man kann die Waffe nicht direkt mitnehmen, sondern muss eine 14-tägige Frist abwarten, in der man überprüft wird. Dazu müssen auch die Fingerabdrücke bei der örtlichen Polizei abgegeben werden. Zudem muss der Käufer einen Kurs in Waffensicherheit absolvieren.
Am Dienstag, drei Tage vor dem Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, hat Adam Lanza versucht, sich in einem Laden in Connecticut eine eigene Waffe zu besorgen, meldet NBC unter Berufung auf Vertreter der Bundesbehörden. In Danbury in Connecticut sei er in den Laden Dick's Sporting Goods gegangen, dort habe er aber die gewünschte Waffe nicht sofort bekommen. Er habe aber die erforderliche Personenüberprüfung abgelehnt und auch nicht die Frist abwarten wollen.
Für das Attentat nutzte Lanza ein Sturmgewehr, gab die Polizei am Abend bekannt. Bei der Leiche des Täters wurde auch eine Glock 9 Millimeter und eine Sig Sauer gefunden. Nach Angaben des Mediziners, der die Autopsien vorgenommen hat, wurden alle Opfer mit dem Gewehr erschossen. Alle Opfer wurden von mehreren Kugeln getroffen, sagte H. Wayne Carver. Er habe in seinem Leben noch nie etwas so Furchtbares gesehen. Den Familien wurden Fotos der Opfer gezeigt, um diese zu identifizieren.
Heftiger Streit zwischen Lanza und Schulangestellten
Am Donnerstag, das melden NBC und CNN unter Berufung auf Ermittler, soll es an der Schule einen heftigen Streit zwischen Lanza und vier Schulangestellten gegeben haben. Drei der vier Angestellten sollen unter den Todesopfern sein. Die vierte Person war am Tag des Attentats nicht an der Schule und wird derzeit von der Polizei befragt. CNN meldet zudem, die Auseinandersetzung habe offensichtlich damit zu tun gehabt, dass Lanza sich Zugang zur Schule habe verschaffen wollen.
Lanzas Mutter starb in ihrem Haus in der Yogananda Street in Newtown. Gegen 9.30 Uhr fuhr Adam Lanza mit dem Wagen seiner Mutter zur Sandy-Brook-Schule, parkte direkt vor dem Haupteingang und verschaffte sich gewaltsam Zugang zu dem Gebäude. Dort tötete er sechs Erwachsene und 18 Kinder, zwei Kinder wurden ins Krankenhaus gebracht und erlagen dort ihren Verletzungen. hier finden Sie den Tatablauf, wie Zeugen ihn geschildert haben.
Widersprüchliche Meldungen gab es über die Mutter des Amokläufers. Viele US-Medien hatten berichtet, sie sei Lehrerin an der Grundschule gewesen. Dem Sender ABC zufolge steht sie aber nach Angaben des Schulbezirks Newton nicht auf der Liste des Lehrpersonals. Das schließe aber nicht aus, dass sie Ersatzlehrerin gewesen sei.
Korrigiert wurde inzwischen, wie der Attentäter in die Schule eingedrungen ist. Zunächst hieß es, die Schulleiterin Dawn Hochsprung habe Lanza die Tür geöffnet. Sie habe ihn, den Sohn einer Kollegin, auf der Überwachungskamera erkannt. Nun hat die Polizei erklärt: Der Täter habe sich den Zugang "erzwungen".
Die als engagiert und kreativ beschriebene Direktorin starb bei dem Amoklauf, als sie sich dem Täter entgegenstellte - wohl um ihre Schüler zu retten. Sie hatte erst Mitte Oktober neue Sicherheitsvorkehrungen an der Schule eingeführt, berichtet CNN. Mit Beginn des Unterrichts um 9.30 Uhr wurden die Türen der Schule verriegelt, jeder Besucher musste ab dem Zeitpunkt am Haupteingang klingeln. Wenn sie in das Büro am Eingang hereingelassen wurden, mussten auch Eltern sich ausweisen.
Hunderte Menschen trauern gemeinsam
Nach Angaben der Polizei wurden inzwischen Beweismittel gefunden, die möglicherweise über die Motive des Täters Auskunft geben können. Diesen sollen in den kommenden Tagen ausgewertet werden, meldet NBC.
Seit Freitag steht der idyllische Ort Newtown unter Schock. Hunderte Menschen versammelten sich am Samstag in einer Kirche, um gemeinsam zu trauern. Das Kriseninterventionsteam eines Krankenhauses soll jedem in der Gemeinde jetzt helfen, der Bedarf für ein Gespräch hat.
Noch immer gibt es viele Fragen. Die Ermittler untersuchen den Tatort, sagte der Sprecher der Polizei im US-Bundesstaat Connecticut. Die Untersuchung werde noch mindestens einen weiteren Tag dauern.
Die Opfer des Täters liegen inzwischen nicht mehr in der Grundschule, ihre Leichen werden jetzt untersucht. Namen und Alter der Toten werden veröffentlicht, hat die Polizei angekündigt. Die Angehörigen der Opfer hätten darum gebeten, dass ihre Privatsphäre in dieser "extrem herzzerreißenden" Situation respektiert werde, so der Polizeisprecher. Jede Familie habe einen eigenen Polizeibeamten zur Seite gestellt bekommen, der sich um sie kümmern werde.
Nur ein Opfer des Amokläufers hat verletzt überlebt. Die Person liegt im Krankenhaus und spricht mit der Polizei. Zwei Kinder waren am Freitag noch schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht worden, wo sie starben.

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