abs-ad

Montag, 24. Dezember 2012

Als Goethe tanzt Samba in Rio

Es ist ein Besuch bei guten Freunden. Wenn Bundespräsident Joachim Gauck am 13. Mai 2013 im „Teatro Municipal“ von São Paulo das Deutschlandjahr in Brasilien eröffnen wird, dann wird er gewiss auf die enge Partnerschaft verweisen, die zwischen den beiden Staaten, Menschen und Wirtschaften seit langem besteht. Und er wird den Blick in die Zukunft richten, jener gemeinsamen Zukunft, der das Motto von „Deutschland + Brasilien 2013-2014“ gilt: „Wo Ideen sich verbinden“.

Deutschland möchte sich dem aufstrebenden Brasilien als Impulsgeber für kommende Jahre und Jahrzehnte empfehlen. Und gestaltet dafür ein Programm, das alle wichtigen Bereiche internationalen Ideentransfers abdecken wird: „Das Deutschlandjahr soll ein umfassendes, aktuelles und authentisches Bild Deutschlands präsentieren und so in Brasilien noch stärkeres Interesse an Deutschland wecken“, sagt Bundesaußenminister Guido Westerwelle. „Neben wirtschaftlicher Kooperation geht es bei dem Deutschlandjahr um die ganze Vielfalt unserer Beziehungen: Kultur, Bildung, Politik, Gesellschaft, Wissenschaft, Technologie, Lifestyle und Sport werden Thema sein bei den Veranstaltungen in allen Teilen des Landes.“

Die Koordination des vom Auswärtigen Amt initiierten Großprojektes, das von Mai 2013 bis zum Beginn der Fußball-WM im Juni 2014 dauert, hat der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) übernommen. Das Goethe-Institut bereitet ein anspruchsvolles Kulturprogramm vor. Eng eingebunden sind auch die Deutsch-Brasilianische Handelskammer, mit über 1800 Mitgliedern die größte deutsche Außenhandelskammer der Welt, und das deutsche Wissenschafts- und Innovationszentrum in São Paulo. Dass sich auch die Botschaft in Brasilia und die Generalkonsulate in Porto Alegre, Recife, Rio de Janeiro und São Paulo für das Jahr engagieren, versteht sich von selbst. Denn das Deutschlandjahr ist eine einmalige Chance, Deutschland als modernes, innovatives und kreatives Land und Partner Brasiliens zu präsentieren. Ein Großteil der Projekte soll von Sponsoren finanziert werden, vor allem von den mehr als 900 deutschen Unternehmen, die sich in Brasilien niedergelassen haben. Dazu gehören Großkonzerne wie Siemens und Volkswagen, aber auch Mittelständler, von denen einige erst durch den Boom der letzten Jahre nach Brasilien gelockt wurden. Die bedeutendsten Projekte der unterschiedlichen Sektoren standen zuerst fest – als „Leuchttürme“ gewissermaßen. So wird die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer für fünf Tage im Februar 2014 in den Biennale-Pavillon in den Ibirapuera-Park von São Paulo laden. Dort sollen gleichzeitig die Ausstellung „Ecogerma-Future Visions“ und der Kongress „Ecogerma Future Visions – Driven by the Future“ versuchen, die Welt von morgen erlebbar zu machen. Unter den Leitthemen Innovation, Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung möchte sich die deutsche Industrie als Partner für Brasilien empfehlen. Danach geht die Ausstellung auf Wanderschaft nach Porto Alegre, Curitiba, Rio de Janeiro, Belo Horizonte und Recife.

In Rio de Janeiro wird die Vertretung der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer im Oktober 2013 ein Seminar veranstalten, das innovative Gewinnung von und sparsamen Umgang mit Energie thematisieren soll, ein besonders wichtiges Thema in der Metropolregion. 200 internationale Teilnehmer werden erfolgreiche Projekte vorstellen und Vorschläge entwickeln, dieses in anderen Metropolen erarbeitete Fachwissen auch in der Bucht von Rio anzuwenden. Ebenfalls in Rio de Janeiro wird die Max-Planck-Gesellschaft auf eine Entdeckungsreise durch den „Science-Tunnel“ einladen. Während sie einen weitgehend abgedunkelten Ausstellungsraum durchschreiten, können die Besucher bahnbrechende Entdeckungen deutscher Wissenschaftler betrachten und mehr über aktuelle Forschungsergebnisse erfahren Der „Science Tunnel“ wird danach auch noch in Belo Horizonte und São Paulo zu Gast sein – und jungen brasilianischen Wissenschaftlern Deutschland als attraktiven Forschungsstandort näher bringen.

Die Begeisterung möglichst vieler Brasilianer für Deutschland zu wecken, das ist das größte Ziel dieses Deutschlandjahres. Und deshalb freut es die Organisatoren, dass die populäre Sambaschule „Unidos da Tijuca“ schon drei Monate vor der offiziellen Eröffnung, das Land zu ihrem Leitthema für den Karneval 2013 bestimmt hat. Ihre Karnevals-Interpretation wird im Februar auf acht Wagen durchs von der kürzlich verstorbenen Architektur-Legende Oscar Niemeyer gestaltete Sambadrom von Rio rollen. Es treten unter anderem auf: Märchengestalten aus dem Schatz der Gebrüder Grimm, Goethe und Marlene Dietrich. TV Globo, Lateinamerikas größter Fernsehsender, wird einige Folgen seiner wichtigsten Telenovela in Berlin und Potsdam drehen lassen. Gedreht wird in den hippen Hauptstadtvierteln, aber auch in den Schlössern und Parks von Berlin und Brandenburg. Aus Sachsens Schatzkammern werden die wichtigsten Exponate der Großausstellung „Weltneugier – 500 Jahre Kunst aus Deutschland“ bereitgestellt. Zwischen Oktober 2013 und Mai 2014 werden in Rio de Janeiro, Brasilia und São Paulo Werke von Dürer und Cranach bis Baselitz ausgestellt.

Ein Kontrastprogramm dazu bietet die Veranstaltung „Lebensgefühl Berlin – ein Festival“. Künstler, Bands, Cineasten und DJs sollen eine Woche lang den musikalischen Zeitgeist Berlins in São Paulos Häuserschluchten loslassen. Ehe jedoch Clubsounds durch die Megacity wabern, werden sich junge Philharmoniker aus Köln mit brasilianischen Kollegen zusammentun, um gemeinsam das musikalische Rahmenprogramm der Eröffnungszeremonie am 13. Mai 2013 im „Teatro Municipal“ zu bestreiten. Im Beisein von Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff und Bundespräsident Joachim Gauck werden Werke von deutschen und brasilianischen Komponisten aufgeführt. Eine musikalische Synthese – unter guten Freunden. ▪

Andreas Fink

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen