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Donnerstag, 4. April 2013

Für eine Welt ohne Minen

Herr Gebauer, der Ottawa-Vertrag über ein Verbot von Anti-Personen-Minen gilt schon seit 14 Jahren. Dennoch wurden zuletzt 2000 Kinder durch Landminen und Blindgänger getötet oder verletzt. 4286 Opfer insgesamt verzeichnet der „Landmine Monitor 2012“. Wie erklären Sie diese traurige Bilanz?
Jedes Opfer ist ein Opfer zu viel. Deshalb ist noch einiges zu tun, um die Gefahren von Minen vollends aus der Welt zu schaffen. Mit dem Vertrag von Ottawa sind die Voraussetzungen geschaffen worden, dass dies gelingt. Anfangs der 90er Jahre waren 25.000 Tote und Zigtausend Verletzte zu beklagen. Zudem beeinträchtigten Minen die Landwirtschaft und verhinderten, dass Kinder zur Schule gehen konnten. Ganze Dörfer waren von der Außenwelt abgeschlossen. Seitdem sind große Anstrengungen unternommen worden, um über Minen aufzuklären und Minen zu räumen. Aber so schnell diese Waffen gelegt sind, so kostspielig und kompliziert ist ihre Räumung. Doch langsam kehrt das Leben in die ehemals minenverseuchten Regionen zurück.
Was sind jetzt die großen Herausforderungen und bekommen die Betroffenen noch genug Aufmerksamkeit?
Die Anstrengungen dürfen nicht nachlassen. Eine minenfreie Welt wird nur dann erreichbar sein, wenn die Finanzierung von Minenaktionsprogrammen nicht nachlässt. Es reicht auch nicht, Menschen, die durch Minen verstümmelt wurden, einmalig eine Prothese zu geben; sie brauchen lebenslange Unterstützung, nicht zuletzt durch öffentliche Beihilfen. Noch ist das Bewusstsein für die Probleme von Minenopfern hoch. Es darf nicht geringer werden.
Wie sieht der deutsche Einsatz für eine Welt ohne Anti-Personen-Minen aus?
Wir haben uns immer dafür eingesetzt, dass auch Deutschland seiner Verantwortung gerecht wird. Viele Minen sind in den sogenannten Stellvertreterkriegen zum Einsatz gekommen, in denen es auch um die Interessen des Westens ging. Es ist gut, dass Deutschland heute einen substantiellen Beitrag zur Beseitigung der Minengefahren leistet. 2012 waren es 18 Millionen Euro.
Tag zur Aufklärung über die Minengefahr der Vereinten Nationen am 4. April
medico international erhielt 1997 mit der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL) den Friedensnobelpreis. Thomas Gebauer ist Geschäftsführer von medico international.
www.landmine.de
www.zeigdeinbein.de
www.lendyourleg.org/en
www.medico.de

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