abs-ad

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Debatte über Familienpolitik


Zoe ist das einzige Kind in der Nachbarschaft, das mit gut einem Jahr eine Kinderkrippe besucht. Ihre Eltern haben einen Platz in der Frankfurter Wiegestube „Sonnenschein“ ergattert. „Wir haben gejubelt wie bei einem Sechser im Lotto“, sagen Zoes Eltern. Bei den älteren Söhnen hatten sie noch Babysitter suchen müssen und einen ausgeklügelten Betreuungsplan aufgestellt: „Das war extrem anstrengend und teuer.“ Doch nur so konnten Mutter und Vater nach der Babyphase wieder in den Beruf zurückkehren. In Deutschland werden Kinder von drei bis sechs Jahren in der Regel im Kindergarten betreut. Aber für Kleinkinder ist es längst noch nicht selbstverständlich, dass sie in einer Kinderkrippe unterkommen. Ab August 2013 gibt es zwar einen Rechtsanspruch darauf, doch noch fehlen schätzungsweise 130.000 Plätze.

Angesichts der Lücken bei der öffentlichen Kinderbetreuung und der weiter sinkenden Geburtenrate (im Durchschnitt 1,36 Kinder pro Frau) wird in Deutschland über die Einführung des Betreuungsgelds für Kleinkinder unter drei Jahren diskutiert. Es soll an Eltern gezahlt werden, die für ihre Kinder keine staatlich geförderte Betreuung in Anspruch nehmen. Dazu gehören öffentliche Kindertagesstätten oder von den Kommunen bezuschusste Tagesmütter. Als finanzielle Unterstützung für die private Betreuung durch die Eltern selbst, Großeltern oder einen Au Pair sind bis zu 150 Euro pro Monat im Gespräch.

Die Debatte geht in die entscheidende Phase, denn der Bundestag wird wohl im Herbst über diese familienpolitische Leistung abstimmen. Obwohl das Betreuungsgeld im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien von CDU/CSU und FDP festgeschrieben wurde, ist es auch innerhalb der Parlamentsfraktionen stark umstritten. Befürworter sehen im Betreuungsgeld auch einen gerechten Ausgleich für die Leistung der Eltern bei der Kindererziehung. Kritiker fürchten unter anderem, dass es die klassische Rollenverteilung fördert und sprechen deshalb von einer „Herdprämie“. Sie dringen vielmehr auf die Schaffung von mehr Krippenplätzen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen