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Freitag, 3. April 2015

Volkswagen Poly bestimmt wieder - als Elektroauto


Er war 2011 der Hingucker auf dem Genfer Autosalon von Volkswagen Börsen-Chart zeigen: Eine Neuauflage des klassischen Bullis, als Elektroversion. Doch wie es so ist mit spektakulären Studien - danach war lange erstmal nichts mehr von dem Wagen zu hören. Die Controller würden noch rechnen, ob sich das Projekt lohne, hieß es damals.
Eher überraschend kommt daher die Nachricht von der New York Motor Show, die VW-Vorstand Heinz-Jakob Neusser zu verkünden hatte. Der Konzern arbeite weiter detailliert an dem Wagen, bestätigte Neusser und stellte einen Produktionsstart in Aussicht, wie mehrere Autoportale berichten.

Neusser nannte weitere Details zu dem Wagen: Demnach sei die Konstruktion als Elektroauto aus Platzgründen die einzige Möglichkeit, den Wagen wieder aufleben zu lassen. Ein kleiner Elektromotor an der Vorderachse und Batterien im Fahrzeugboden würden sicherstellen, dass der Raum optimal genutzt wird und das technische Fundament des modularen Querbaukasten des Konzerns genutzt werden kann.

Traum Austausch Ferrari - ganz in Rot


Sergio Marchionne führt den Fiat-Chrysler-Konzern im Stil eines gewieften Investmentbankers. Jetzt muss der Börsengang der Sportwagenikone die Investoren locken - ein gewagtes Spiel.

Sergio Marchionne kaute Kaugummi. Gelangweilt stand er in Halle 6 des Genfer Auto-Salons und schaute auf die Zukunft seines Unternehmens. Vor dem Fiat-Chef leuchtete der Alfa Romeo 4C. Der rote Flitzer werde Alfas "große Tradition als Hersteller von Hochleistungsautomobilen zurückbringen", hatte Markenchef Harald Wester gerade versprochen.
Marchionne hatte die Rede verpasst. Der Fiat-Chef war zu spät gekommen. Er wechselte noch kurz ein paar Worte mit Großaktionär John Elkann - und ging weiter.

Fast vier Jahre sind vergangen seit jenem nüchternen Messeauftritt; und noch immer lenkt Marchionne (inzwischen 62) Fiat Börsen-Chart zeigen und Chrysler. Großaktionär Elkann (39) sitzt weiter als Oberhaupt des Agnelli-Clans dem Aufsichtsrat vor. Und Wester (56) soll Alfa Romeo neu beleben. Alles wie gehabt.
Auch Marchionnes Interesse an neuen Modellen scheint weiter gering. Der 4C, nur rund 2500-mal im Jahr gebaut, ist die einzige wirkliche Alfa-Neuheit seit 2010. Fiat-Premieren seither? Eine Langversion des kleinen 500, ein als "Fiat Freemont" neu benannter Dodge. Die italienische Traditionsmarke Lancia wird von Marchionne eingestellt. Die Tochter Chrysler verwendet eine Plattform, die von Daimlers vorletzter E-Klasse abstammt. Und Elektromobile? Nur der 500 - und nur in den USA.
"Marchionne lässt den Konzern ausbluten", klagt einer seiner deutschen Händler. "Die Konkurrenten genießen die günstige Konjunktur, investieren zum Teil massiv und können trotzdem Geld zurücklegen", sagt Arndt Ellinghorst, Staranalyst beim Finanzhaus Evercore Isi. "Fiat-Chrysler verbrennt weiter Cash."
Kursrally von Fiat: Die Anleger wetten auf Sergio Marchionne
Nur eines hat sich geändert: Fiats Börsenwert, und zwar massiv. Die Aktie, die 2013 unter der Marke von 6 Dollar dümpelte, hat sich seitdem fast verdreifacht und notiert heute über der Marke von 16 US-Dollar.
Das passt nicht zusammen? Doch, sagt Ellinghorst. "Die Anleger wetten auf Sergio Marchionne."
Auf einen Manager, der nie mehr als das Allernötigste investiert und seine Absatzversprechen regelmäßig gebrochen hat? Der nach und nach das Tafelsilber des Konzerns verkauft?


Nein. Sie setzen ihr Geld auf den anderen Marchionne. Den Wunderheiler, der Fiat 2004 kurz vor dem Bankrott übernommen und den Agnelli-Clan seither um rund 3 Milliarden Euro reicher gemacht hat. Der gleich zu Amtsbeginn einen alten Vertrag nutzte, um General Motors (GM) Börsen-Chart zeigen 1,55 Milliarden Euro abzupressen, der Chrysler mit maximalem Rabatt aus der Insolvenz kaufte und sich steueroptimierend aus Italien verabschiedete. Und der über all diese Transaktionen auch selbst zum Großaktionär aufgestiegen ist. Marchionne hält knapp ein Prozent der Fiat-Chrysler-Anteile, dazu ein ordentliches Aktienpaket der ehemaligen Landmaschinen- und Trucktochter CNH Industrial. Aktueller Kurswert: gut 230 Millionen Euro, zusätzliche Aktienoptionen noch nicht exklusive.

Ein "Vermögensverwalter" ist er für die einen, ein "Trader", ein Händler, für die anderen. Ein Mann, der mit häufig kurzfristig wirksamen Aktionen in einem sehr langfristigen Geschäft bestehen will. Der Werte taxiert und maximiert, aber selten neue schafft.

Donnerstag, 2. April 2015

Banking: Aufstand gegen die deutsche Entwicklungsbank, der Europäischen Zentralbank

Die Bankenaufsicht der EZB soll die Finanzmärkte sicherer machen. Doch die staatliche L-Bank aus Baden-Württemberg will ihr nicht unterstellt sein. Deshalb klagt sie jetzt vor dem Europäischen Gerichtshof - als erstes Institut überhaupt.

Aufstand im Ländle: Als erstes Finanzinstitut klagt die baden-württembergische L-Bank beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen die Aufsicht durch die Europäische Zentralbank (EZB). Damit wehre sich die staatliche Förderbank gegen eine direkte Unterstellung unter die Bankenaufsicht der EZB im Zuge der europäischen Bankenunion, teilte das Unternehmen mit. Ein Sprecher der EZB bestätigte den Eingang der Klage, wollte den Sachverhalt aber nicht weiter kommentieren.


Die EZB hatte im vergangenen November die Oberaufsicht über die führenden Banken im Euroraum übernommen. Dazu zählt sich die kleine Förderbank in Landesbesitz allerdings nicht. Träger der Bank ist das Land Baden-Württemberg. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen und der Ausbau von Infrastruktur in Kommunen. Ende 2013 kam sie auf eine Bilanzsumme von 70,1 Milliarden Euro.

Die europäische Bankenaufsicht ist aus Sicht der L-Bank dazu da, komplexere und international tätige Institute zu überwachen. Darüber hinaus sei die Aufsicht durch die EZB mit erheblichen bürokratischen Anforderungen und Kosten verbunden, so die Bank. Mit der Überprüfung durch das Gericht will das Institut erreichen, dass es künftig wieder durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sowie die deutsche Bundesbank beaufsichtigt wird. Dies sei dem Geschäftsmodell der Förderbank angemessener.
EZB warnt vor Preisblasen
Die gesamte Bankenbranche klagt über wachsende Anforderungen und Ausgaben durch strengere Regulierung. Die EZB-Bankenaufsicht sieht die Finanzbranche außerdem wegen der Minizinsen vor wachsenden Schwierigkeiten. "Lang anhaltende Niedrigzinsen sind für Banken und Versicherer mit Risiken verbunden. Bei niedrigen Zinsen steigt die Gefahr von zu riskantem Anlageverhalten, es können sich leicht Überhitzungen oder Preisblasen in anderen Vermögensklassen bilden", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger der "Wirtschaftswoche".
"Dazu kommt, dass gerade in Deutschland der Konkurrenz- und Preisdruck zwischen Banken besonders stark ist. Mittel- und langfristig werden manche Geschäftsmodelle daher in eine kritische Situation geraten", sagte Lautenschläger weiter. Sie ist seit Anfang 2014 als einzige Frau Mitglied im sechsköpfigen Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB). Gleichzeitig ist Lautenschläger auch Vizechefin der neuen Bankenaufsicht.
dab/dpa

Streit um die Marke Puma startet Pudel


Der springende Puma ist als Sportartikelmarke weltbekannt, der springende Pudel bislang nur als Parodie. Dabei soll es bleiben: Der Bundesgerichtshof verbot einem T-Shirt-Designer, den Pudel als eigene Marke zu schützen.

Um des Pudels Kern ging es einst bei Goethe, des Pudels Markenkern beschäftigte nun den Bundesgerichtshof. Der BGH entschied am Donnerstag einen Streit zwischen dem Sportartikelhersteller Puma und der Bekleidungsfirma Pudel. Ergebnis: Pudel muss ein eingetragenes Hunde-Logo löschen, weil es zu sehr der springenden Raubkatze ähnelt, für die Puma bekannt ist.
Der beklagte T-Shirt-Designer Thomas Horn habe mit seiner Darstellung eines springenden Pudels die Wertschätzung der bekannten Marke ausgenutzt, sagte der Vorsitzende Richter des I. Zivilsenats, Wolfgang Büscher. "Das ist grundsätzlich unlauter." Die Eigentumsrechte von Puma seien in diesem Fall höher zu bewerten als das Recht auf Kunst- und Meinungsfreiheit. Horn könne den Pudel als "witzige Parodie der Klagemarke" weiter verwenden, als eigene Marke muss er ihn jedoch löschen. Der Markenwert von Puma wird auf 1,1 Milliarden Euro geschätzt.

Zuvor hatte bereits das Oberlandesgericht Hamburg entschieden, dass Pudel absichtlich auf die Ähnlichkeit zu Puma gesetzt habe, um beim Konsumenten "Aufmerksamkeit zu erschleichen". Damit habe Pudel sich den guten Ruf der Marke der Klägerin für eigene kommerzielle Zwecke zu eigen gemacht.
Pudel kann sich laut BGH auch nicht auf das Grundrecht der freien künstlerischen Betätigung oder auf freie Meinungsäußerung berufen. Pudels Rechte müssen gegenüber dem ebenfalls durch die Verfassung geschützten Markenrecht der Klägerin zurücktreten, heißt es im Urteil.
(Az: I ZR 59/13)
dab/dpa/AFP

Montag, 19. Mai 2014

Personalrestrukturierungskosten in SAP 2.000 Mitarbeiter und Job

Der Softwarekonzern SAP nennt konkrete Zahlen: Gut 2000 Mitarbeiter sind vom geplanten Personalabbau betroffen. Zugleich sollen dieses Jahr angeblich aber auch neue Stellen geschaffen werden.
 
Stuttgart - Das Unternehmen begründet den Personalabbau mit der Umstellung auf Leih-Software: Gut 2000 Mitarbeiter des Softwarekonzerns SAP müssen gehen. Es handele sich um drei Prozent der insgesamt 67.000 Stellen weltweit, teilte das Unternehmen am Montagabend mit.
Der Konzern habe seine 67.000 Mitarbeiter über die Pläne informiert, sagte ein Sprecher des Unternehmens. SAP werde Ende 2014 aber mehr Mitarbeiter beschäftigen als Anfang des Jahres, heißt es. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet mit Bezug auf einen Insider, dass für dieses Jahr zugleich rund 3000 neue Stellen geplant sein sollen.

Der Konzern stellt sein Angebot von fest installierter Software auf Abo-Modelle um, da die Firmenkunden immer weniger Software-Lizenzen kaufen. Der Ausbau des Cloud-Geschäfts verursacht Kosten und schmälert den Gewinn. Um das aufzufangen, will SAP-Chef Bill McDermott den Konzern schlanker aufstellen und Bereiche zusammenlegen.
Auch seine Führungsmannschaft hat SAP kürzlich erneut umgebaut. Anfang Mai, wenige Wochen vor Beginn der Alleinherrschaft von McDermott, verließ Technik-Chef Vishal Sikka den Vorstand.
bos/dpa/Reuters

Samstag, 17. Mai 2014

Lebensmittelabfälle: EU-Länder wollen das Ablaufdatum der Poesie abbrechen


Millionen Tonnen Lebensmittel landen jedes Jahr im Müll - jetzt wird auf EU-Ebene gegengesteuert: Laut einem Zeitungsbericht soll für Nudeln, Reis oder Kaffee künftig kein Mindesthaltbarkeitsdatum mehr gelten.

Berlin - Die Niederlande und Schweden wollen laut einem Zeitungsbericht im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung das Mindesthaltbarkeitsdatum unter anderem für Nudeln, Reis und Kaffee abschaffen. Die Länder hätten vorgeschlagen, die Liste der Lebensmittel auszuweiten, für die nach EU-Recht kein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben werden muss. Das berichtet die "Bild"-Zeitung, sie beruft sich auf ein Papier des EU-Rats für die Sitzung der EU-Landwirtschaftsminister am kommenden Montag.
Nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) könnte der Verpackungsaufdruck "Mindestens haltbar bis" demnach künftig für Tee, Kaffee, Reis, trockene Pasta und Hartkäse entfallen. Bereits heute ist er für einige Lebensmittel wie Zucker, Salz oder Essig nicht erforderlich (hier finden Sie die EU-Richtlinien zur Etikettierung von Lebensmitteln). Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace fordern seit Längerem, dass die Liste erweitert wird.


"Das ist ein sinnvoller Schritt, um Lebensmittelabfälle zu verringern", sagte HDE-Geschäftsführer Kai Falk der Zeitung. "Oft werden Lebensmittel einfach aus Unsicherheit weggeworfen. Viele Verbraucher verwechseln das Mindesthaltbarkeitsdatum mit dem Verfallsdatum." Allein in der EU werden dem Bericht zufolge jährlich 89 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen.
aar/dpa/AFP

Nach der Rettung des Euro: die Freiheit der riskanten Portugal


Portugal kehrt an die Finanzmärkte zurück, damit schrumpft die Euro-Krise zur Griechenland-Krise. Die Regierung in Lissabon hat viel erreicht - doch das Risiko eines Rückfalls ist noch immer groß.

Dieser Tag gebühre allen Portugiesen, dürfte Premierminister Pedro Passos Coelho sagen, wie so oft zuletzt, wenn er gegen 10 Uhr Ortszeit in der schmucklosen Residenz des Ministerrats vor die Presse tritt. Denn dass sich Portugal jetzt, nur gut drei Jahre nach der Beinahe-Pleite, aus dem Würgegriff seiner Retter befreit, ist nur möglich, weil die Portugiesen nie allzu heftig revoltiert haben - obwohl gut ein Viertel der Bevölkerung durch die Reformen inzwischen am Rande der Armutsgrenze lebt.


 Das 78 Milliarden Euro schwere Rettungsprogramm, das das hochverschuldete, krisengeschüttelte Land im April 2011 vor der Pleite bewahrte und seitdem finanziell am Leben erhielt, ist nun offiziell beendet. Das Vertrauen der Anleger ist - aufgrund der Reformen, zu denen die Geldgeber Portugal zwangen - so weit zurückgekehrt, dass die Lissabonner Regierung wieder selbst Staatsanleihen zu erträglichen Zinsen am freien Markt platzieren kann.

Es ist ein großer Tag für die Reformer, nicht nur in Portugal, sondern in ganz Europa. Denn mit Lissabons Rückkehr an die Finanzmärkte schrumpft die Euro-Krise wieder zur Griechenland-Krise zusammen. Irland, Spanien - und nun Portugal - haben den Rettungsschirm wieder verlassen.
Gestützt werden muss jetzt nur noch hauptsächlich jener Staat, mit dessen Absturz 2010 alles begann, dessen Beinahe-Pleite einen fatalen Dominoeffekt im Euro-Raum auslöste: Anleger verloren nach und nach das Vertrauen in immer mehr Euro-Länder und letztlich in die gesamte Währungsunion. Einige Rettungsmilliarden fließen zudem noch nach Zypern, dessen Wirtschaft untrennbar mit der griechischen verwoben ist.
Es ist ein guter Tag für Europa. Aber ist die Euro-Krise wirklich vorbei?
Was Portugal geschafft hat
Portugals Reformer haben in den vergangenen drei Jahren viel erreicht. Der Kündigungsschutz wurde gelockert, bürokratische Hürden wurden abgebaut, die Vermittlung offener Stellen optimiert, das Ausbildungssystem verbessert. In einem Standort-Ranking der Weltbank ("Doing Business") liegt Portugal inzwischen auf Platz 31, Griechenland auf Platz 72.
Der Lohn der Reformen sind steigende Exporte. Vor den Reformen machte die Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen nur 28 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung aus. Inzwischen sind es 41 Prozent, Tendenz steigend. Ein Exportwachstum von jährlich gut fünf Prozent sei machbar, schreibt ein Expertenteam des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), das für SPIEGEL ONLINE Portugals fundamentale Wirtschaftsdaten ausgewertet hat.
Hauptgrund dafür sei, dass sich das Land in der internationalen Wertschöpfungskette nach oben bewegt, sprich: immer hochwertigere Produkte exportiert. Paradebeispiel ist die portugiesische Schuhindustrie, die nach dem Aufschwung der osteuropäischen und asiatischen Billiglohnländer lange in der Krise steckte - und mittlerweile mit hochpreisigen Produkten teils sogar bekannte italienische Marken ausbootet. Auch in Portugals Dienstleistungssektor geht es bergauf; Investoren kehren zurück, zuletzt eröffneten die deutschen Samwer-Brüder mit ihrer Firma Rocket Internet eine Dependance in Porto. Der Lohn des Sparens und Reformierens schlägt sich auch in den ökonomischen Kennziffern nieder:


  • Nach mehr als einem Jahrzehnt der Stagnation und des Absturzes dürfte die Wirtschaft im laufenden Jahr um 1,2 Prozent wachsen, für das kommende Jahr erwarten Ökonomen ein Plus von bis zu 1,5 Prozent.

  • Die Arbeitslosenquote liegt mittlerweile bei 15,3 Prozent - gut zwei Prozentpunkte unter ihrem Krisenhöchststand.

  • Die Neuverschuldung wurde von fast zehn auf etwas mehr als vier Prozent der Wirtschaftsleistung gedrückt.

Ein Blick auf die Entwicklung der Risikoprämien für portugiesische Staatsanleihen zeigt zudem, dass Anleger wirklich auf die Erholung von Portugals Wirtschaft vertrauen - und nicht nur auf ein Versprechen von Mario Draghi. Der Chef der Europäischen Zentralbank hatte Mitte 2012 indirekt garantiert, im Notfall unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern aufzukaufen - was dazu führte, dass Anleger solche Schuldtitel als abgesichert ansahen und die Zinsen allmählich sanken. Die Risikoprämien für portugiesische Anleihen jedoch waren schon ab November 2011 - mehr als ein halbes Jahr vor Draghis Ankündigung - stetig zurückgegangen.
Nur: Wenn alles so gut läuft, warum will dann in Lissabon am Tag eins nach dem Rettungsschirm keine Partystimmung aufkommen? Warum feiert die Regierung ihre Reformerfolge nur mit einem kargen Pflichtprogramm?
Was noch fehlt
"Weil das alles noch lange nicht reicht", sagt João Luís César das Neves, Professor an der Universidade Católica Portuguesa und langjähriger Regierungsberater. Das Risiko eines Rückfalls sei entsprechend hoch. Tatsächlich kann man die portugiesischen Wirtschaftsdaten auch ganz anders interpretieren.
  • Denn Portugals Wirtschaft wächst zwar wieder, aber insgesamt hat sie bislang weniger als ein Drittel dessen aufgeholt, was sie seit dem Start des Rettungspakets verloren hat.
  • Die Arbeitslosenrate ist zwar leicht gesunken, aber mit 15,3 Prozent noch immer bedenklich hoch. Zudem droht dem Land ein Braindrain. Denn aufgrund der schlechten Jobperspektiven haben alleine 2012 rund 120.000 der 5,5 Millionen arbeitsfähigen Portugiesen das Land verlassen, darunter viele hochqualifizierte Fachkräfte, die das Land gerade jetzt so dringend braucht. Ohne die Abwanderer wäre die Arbeitslosenrate auch deutlich höher.
  • Das größte Problem aber bleiben die Schulden. Der Gesamtschuldenstand ist mit 129 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung inzwischen mehr als doppelt so hoch wie die Maastricht-Kriterien es erlauben; als Portugal im April 2011 unter den Rettungsschirm schlüpfte, lag er erst bei 93 Prozent. Auch die Neuverschuldung liegt noch immer deutlich über der im Euro-Raum zulässigen Grenze von drei Prozent der Jahreswirtschaftsleistung.

Die Strukturreformen sind ebenfalls nicht abgeschlossen. Der Arbeitsmarkt muss weiter flexibilisiert, Bausektor und Steuersystem weiter entbürokratisiert werden. Der Anteil an qualitativ hochwertigen Exportgütern muss weiter steigen; derzeit liegt er bei 30 Prozent und ist damit halb so hoch wie in Deutschland.
"Die Reformen müssen noch über fünf bis zehn Jahre unter Hochdruck weitergehen", schätzt Francesco Franco, Wirtschaftsprofessor an der Lissabonner Universidade Nova. Fragt sich nur, ob die Regierung den harten Reformkurs noch so lange durchhalten kann.
Der Widerstand w ächst
Schon jetzt sind die sozialen Folgen gewaltig, und eine breite Allianz aus Opposition, Gewerkschaften und Intellektuellen beklagt eine flächendeckende Verarmung, die Zerstörung der Mittelklasse und die Schwächung des Wohlfahrtsstaats. Die Popularität von Passos Coelho ist an einem Tiefpunkt angelangt, 61 Prozent der Bürger sind laut einer Umfrage der EU-Kommission inzwischen mit seiner Arbeit unzufrieden. Als Portugal unter den Rettungsschirm schlüpfte, waren es 47 Prozent.
"Wir erwarten, dass der Druck weiter steigt, wenn die Geldgeber abziehen", sagt ein hochrangiges Mitglied der Regierung. Dann nämlich würden sie nicht mehr für den harten Reformkurs verantwortlich gemacht. Die gesamte Schuld für die sozialen Verheerungen lastet dann wieder auf der portugiesischen Regierung.

Leichtfertig wird diese ihre neu gewonnene Glaubwürdigkeit an den Märkten wohl nicht aufs Spiel setzen. Doch der Druck dürfte bald steigen. Spätestens im Sommer 2015. Dann sind Parlamentswahlen. Und die große Oppositionspartei PS, bislang Unterstützer der Reformen, fordert schon jetzt ein milderes Sparprogramm. In Meinungsumfragen zu den Europawahlen am 25. Mai liegt die PS derzeit vor der Partei von Regierungschef Passos Coelho.


Hinzu kommt: Selbst wenn Opposition und Regierung die Reformen doch weiter gemeinsam voranbringen - Portugals Sanierungsprogramm könnte dennoch scheitern. Zum Beispiel wenn der Aufschwung in den Schwellenländern lahmt. Wenn sich die Krise in der Ukraine verschärft und den Welthandel abwürgt. Oder wenn ein anderes externes Ereignis das Vertrauen der Anleger erschüttert. So wie einst die Krise in Griechenland.
Von einem Ende der Euro-Krise zu sprechen, wäre daher verfrüht. Bis die Wirtschaft im Euro-Raum wieder so robust ist, ist es noch ein weiter Weg. Das zeigt schon das Beispiel Portugal.